Eine Geschichte sehen lernen

Das Schreiben selbst, ist der kleinste Teil beim Schreiben. Du musst die Geschichte sehen. Geschichten reisen immer zu Dir und nicht umgekehrt. Du musst diese Geschichte so genau sehen, als würdest Du sie in Deinem Inneren fotografieren. Studiere sie. Sehe ihre Beschaffenheit, ihre Unebenheiten, Schönheit, ihre Besonderheit, wie genau sie gemacht ist. Sieh sie Dir an wie eine Skulptur, eine Stadt. Hast Du diese Geschichte nicht zu Ende gesehen, entstehen leere Wörter oder verdünnte Sätze. Oft, weil man während des Sehens schon an das Schreiben denkt. Doch das Schreiben ist etwas Nachträgliches, der Ertrag des Gesehenen, ein Sprachrohr für das Gesehene, das in dieser (äußeren) Welt sichtbar werden, bleiben will. Ein jeder Leser spürt die Ablenkung des Schreibers. Als Genies werden diejenigen bezeichnet, die sich von der Geschichte nicht einen Augenblick abwenden. Die also nur im Dienste der Geschichte stehen, sich ganz zurücknehmen und das Schreiben außer Acht lassen. Dann ist das Ventil rein, und die Wörter können durchziehen, ohne verletzt zu werden. Das ist die reine Sprache, die man nicht denken, lernen oder studieren kann. Und diese reine Sprache kommt von der Geschichte. Die reine Sprache ist die vollkommene Eigenart der Geschichte. Die reine Sprache ist das vollkommene Wesen der Geschichte.