Gäste

 

Der innere Kritiker

Als ersten Gast begrüße ich einen der berühmten inneren Kritiker. Den Kritiker, dem (fast) jeder schon einmal in sich begegnete:

„Du bist halt auch echt langsam. Wenn du das so weitermachen willst, bitte, wirst du halt abgehängt früher oder später. Und immer schön ablenken lassen. Du bist wirklich unfähig, dich mal länger als eine halbe Stunde zu konzentrieren. Woher sollen die Werke kommen? Und mal wieder Hausarbeit statt am Text gesessen. Klar, die Wäsche von der Leine widerspricht dir auch nicht. Von da droht keine Gefahr. Aber vielleicht bist du auch eher für das häusliche Leben geschaffen. Vielleicht überfordert dich ja auch die äußere Welt, das Geld verdienen usw. Schau dir deinen Kontostand an. Das Ergebnis deiner Handlungen. Naja, greifst ja auch nach den Sternen. Vielleicht gehörst du da auch einfach nicht hin. Theater. Regie. Du bist doch gar nicht sicher genug dafür. Schau dir die Regisseurinnen doch mal an. Bist halt auch irgendwie doch zu weich. So verletzlich, wo willst du damit hin? Da brauchst du dich doch nicht wundern. Schätz doch die Dinge mal realistisch ein. Das ist doch nicht Dein ursprünglicher Arsch, auf dem Du da sitzt? Was hattest Du da noch mal so großspurig getönt mit diesem Pilates? Da wärst Du eh nicht mitgekommen. Hast Du Dir die Fugen jetzt mal angeschaut in der Küche? Die zwischen Herdplatte und Spüle? Ja, genau die. Nein, natürlich nicht. So wie DU wirkst, müsstest Du mittlerweile eigentlich ALLES ANDEREN überlassen. Das bleibt einfach immer leeres Gerede.  Ich weiss nicht, was man Dir insgesamt eigentlich noch raten soll. Traurig, die ganze Sache. Sieht man Dir auch alles an, im Gegensatz zu anderen in Deinem Alter. Das hättest Du doch nie gedacht, als Du klein warst, dass das schon so früh mit Dir so jämmerlich enden würde. Oh Mann, jetzt mach halt mal hin. Es ist nicht auszuhalten. Nicht zu ertragen. Wie kann man soviel ausweichen? Wer glaubst du, trägt dich eigentlich in deiner Unfähigkeit, in deiner Lahmarschigkeit? Glaubst du, da wird immer jemand sein, der das auffängt? Glaub ich nicht. Also wenn du mich fragst, würde ich jetzt mal den Kurs ändern. Mach mal was an dir, arbeite endlich mal an dir, aber richtig, mit Ergebnissen, nicht nur so fühlen die ganze Zeit. Das interessiert kein Schwein. Disziplinier dich endlich! Ich hab die Schnauze voll davon, dir dabei zuzugucken, wie du deine Zeit verschwendest und vertust. Mal wieder in die Stadt gegangen? Schühchen gekauft? Wie viel von dem Geld hast du eigentlich selbst verdient? Und mit dem Auto zur Therapie? Aus dir wird kein wesentlicher Mensch mehr werden. Da fehlt einfach die Größe. Das geht schon zu lange so. Das sag ich dir.“

J.P.