Das Überall des Autors

John Fante nennt ein Dilemma eines jeden Autoren die Tatsache, dass man einfach nicht an zwei Orten gleichzeitig sein kann. „Entweder Sie sitzen vor Ihrer Schreibmaschine und schreiben oder Sie treiben sich draußen herum und sammeln Erfahrungen. Doch da Sie schreiben und Erfahrungen sammeln müssen, über die Sie schreiben können, müssen Sie lernen, mit weniger mehr zu erreichen. Und mehr mit weniger zu erreichen, darum geht es im Grunde beim Schreiben.“

Kann ich denn über eine Stadt schreiben, die ich nie gesehen habe? Von einem Leben berichten, dass ich nie gelebt habe? Und ist es eine Sache der physischen Präsenz? Erlebe ich denn wirklich, wenn ich draußen bin? Anwesend sein, was heisst das? Kann ich nicht plötzlich in einem Kellerlocher präsenter, mehr bei mir sein als in manchem Moment da draußen? Und kann meine Einbildungskraft in geschlossenem Raum, gesetzt dem Falle, ich habe gelernt, sie zu sehen, ihr zu lauschen, nicht alles übersteigen? Mich dazu befähigen, durch das Loch hinauszufliegen und überall gleichzeitig zu sein? Kennt nicht jeder von uns letztlich jeden Geschmack von Glück, Angst, Schmerz und Wahnsinn, von Liebe…, über die wir berichten könnten? Sind wir nicht alle durstig nach „unseren“ Geschichten, danach etwas wiederzufinden, das wir in uns verloren haben, oder etwas zu leben, dass wir uns nicht zu leben trauen?